Gedanken zur Jahreslosung

Losung klkl01.01.2012
Peter Mömken: GEDANKEN ZUR JAHRESLOSUNG
Es gibt Texte in der Bibel, die geben uns viele Rätsel auf. Vor allem Texte, die aus dem Zusammenhang gerissen sind. Wenn wir die Verse 1 – 10 dieses Kapitels aus dem 2. Korintherbrief lesen, dann begegnen  wir Glaubenserfahrungen, die wir mit unserem Denken und Fühlen nur schwer nachvollziehen können. Dass Paulus ein unbequemer Missionar Jesu Christi war, wissen wir. Dass er immer wieder Probleme mit der Gemeinde in Korinth hatte, wissen wir auch. Es scheint so, als ob er den Korinthern nicht gut genug gewesen sei.

Deshalb schreibt er davon, wie weit ein Mensch sich selbst rühmen, seine Verdienste und Stärken hervorheben darf. Es ärgert ihn, dass die Leute in Korinth scheinbar seine Verdienste nicht anerkennen. Dabei hat er doch so viel für sie getan, so viel durchgemacht, war doch pausenlos im Auftrag Jesu unterwegs. Meist waren es schmerzhafte und schwere Erfahrungen: Gefängnis, Prügelstrafen, Steinigung, Schiffbruch. Und die rätselhafte Krankheit, die er hatte: „Pfahl im Fleisch“ nannte er sie.
So konnte er mit Recht sagen, dass es ein ziemliches Wunder war, dass er das alles überstanden hatte und dass er noch lebte.

Aber ist ein solches Schicksal rühmenswert? Wer kommt schon auf die Idee, sich solcher Dinge wie Hunger und Durst, Arbeit und Gefahr und der eigenen Schwachheit zu rühmen?

Er hat darum gebetet, dass er z.B. seine Krankheit loswird, aber sein Gebet wurde nicht erhört. Und da ist er zur Überzeugung gekommen, dass diese Plage ihn davor bewahrt, sich selbst zu rühmen und zu überheben: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
Das ist der Kern der Sache, der aber doch so schwer zu verstehen ist.

Aber gerade deshalb ist Paulus so frei, sich einer Schwachheit zu rühmen: Er hat viel Schweres erlebt und erlitten und gerade in diesen Schwierigkeiten hat er die Kraft Jesu erlebt, die ihn am Leben erhält. Nur so konnte er guten Mutes bleiben trotz Angst, Verfolgung, Not und Krankheit.

Was das für uns bedeutet? Immer wieder sagen Menschen, wie sie erlebt haben, dass in der Tiefe des Leidens, in den Schattenseiten des Lebens, im Angesicht des Todes eine andere Kraft da war. Sie haben sich trösten lassen an dem, was Geschenk und Gabe ist. Das hebt das Leiden nicht auf. Aber vielleicht wird uns dann erst bewusst, dass es Gottes Kraft ist, die uns hält, eine Kraft, die auch dann da ist, wenn unsere Kräfte nicht mehr reichen.

Es kann dann auch Gottes Kraft sein, wenn ein Mensch den anderen bei der Hand hält und ihn tröstet. Und da entsteht dann eine Gemeinschaft, die unter Gottes wahrem Wort steht und aus ihm Kraft schöpft.

Das wünschen wir uns für das neue Jahr, dass wir doch stärker sind, als wir meinen:
“Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“